MERC

 

Die Wende, an die niemand glaubte?

 

Was ist los mit den Adlern? Im Sommer wurde für viel Geld ein neues Team zusammengekauft, die Vorbereitung verlief vielversprechend. Zu Saisonbeginn klappte noch nicht alles hundertprozentig, doch die Ergebnisse konnten darüber hinwegtäuschen. Im Herbst wurden nicht nur die Außentemperaturen kälter, auch das Spiel der Adler vermochte es nicht mehr wirklich, einen zu erwärmen.

Seit geschlagenen zwei Monaten, sprich seit Anfang September, ist „der Wurm drin“ im Spiel der Mannheimer Adler. Nichts läuft mehr zusammen, die Defensive entspricht einem heillosen Chaos und auch der teure Angriff, wohl einer der teuersten der Liga, bringt auch nichts Zählbares mehr zu Stande. Und wenn es so läuft, passt sich auch Fred Brathwaite dem Niveau der Mannschaft an, man kann es ihm nicht verübeln.

Zwischen den Jahren ging es dann nach Davos zum traditionellen Spengler Cup. Vor der Hinreise in die Schweiz mussten sich die Adler mit dem selbstverdienten Spott auseinandersetzen, was sie denn jetzt in Davos wollten. Doch entgegen aller Erwartungen spielten sie ein richtig gutes Turnier, erreichten fast sogar das Finale. Die Krise schien überwunden, doch weit gefehlt. Die Mannheimer spielten mit der gleichen Nervosität wie im alten Jahr weiter, so konnte es nichts werden.

Die logische Konsequenz war die Entlassung des Trainers, da Doug Mason es in einem Halben Jahr nicht geschafft hat ein Team zu formen. Wie im Vorjahr sollte es der „ewige“ Assistenztrainer Teal Fowler richten, doch man kann sich vorstellen, wie schwer es mitten in der Saison ist, aus vielen Einzelspielern ein Team zu formen. Dementsprechend änderte sich sportlich auch nicht sonderlich viel.

Ein anderer musste es richten und keiner ist dafür besser prädestiniert als Dan McGillis, langjähriger Verteidiger der Adler, spielte er doch noch bis letztes Jahr in Mannheim. Allerdings spielte McGillis in dieser Saison bei keinem Verein, sondern hielt sich lediglich in Amerika bei einem College Team fit. Und so benötigte auch er etwas Zeit, um seinen Rhythmus endgültig wieder zu finden, jedoch schaffte er es schon in den ersten Spielen in der Defensive die geforderten Akzente zu setzen, die man bisher so vermisst hatte: dem Torhüter in brenzligen Situationen zur Hand gehen, harte Checks zu fahren um den Gegner zu zeigen, wer Herr im Hause ist – kurzum: einfaches, direktes Spiel.

Es ist allgemein bekannt, dass es innerhalb der Mannschaft zu viele Häuptlinge und zu wenige Indianer gibt und mit Dan McGillis wurde ein Spieler geholt, der auch in der Kabine einmal kräftig auf den Putz hauen kann, wenn es nicht läuft. Und im Moment sieht es so aus, als würden die Adler den Weg aus der Krise finden.

Endgültig begonnen hat alles am Donnerstag mit einem 4:0 Sieg gegen den ERC Ingolstadt, die bis dato sehr stark gespielt haben, der Sieg war also kein Zufall. Es war wichtig, einmal wieder zu Null zu gewinnen, was nicht nur allein an Brathwaite lag, sondern an der geschlossenen Defensivleistung, und wenn diese stimmt, zaubert auch Fred Brathwaite wieder Ausnahmeparaden aufs Eis.

Und heute Abend, am Sonntag ging die Aufholjagd weiter, mit einem 5:4 Sieg gegen die Düsseldorfer EG. Auch wenn man mit 5:0 geführt hatte und es dominierte, dann aber trotzdem noch aus der Hand gab, war das ein echter Fortschritt, da auch wieder Tore gelangen, die sonst nicht gefallen wären. Und Düsseldorf ist kein Noname, sondern Tabellenzweiter.

Wir dürfen gespannt sein, wie die Saison weitergeht, die Preplayoffs sind im Moment das Ziel, um sich direkt für die Playoffs zu qualifizieren, reicht es wahrscheinlich nicht mehr. Nun steht erst einmal noch Olympia auf dem Programm, die Spieler erwartet so eine zweiwöchige Pause.

 

 

Robert Henzler