Schreib-AG

Wenn Gedanken zu Buchstaben werden

Reden, sich unterhalten.

Wohl kaum eine Sache prägt unseren Alltag so sehr wie der Umgang mit Sprache.

"Kannst du mir bitte das Buch geben?"

"Schau mal ein Flugzeug."

"Lauf schneller!"

 

Vor allem der technische Fortschritt leistet dabei seinen Anteil. Noch nie war es so einfach Informationen zu verschicken und auszutauschen. Durch das Medium Internet und Chatprogrammen wie ICQ oder MSN, wächst die Möglichkeit mithilfe von geschriebener Sprache anderen zu vermitteln, was man möchte oder was man heute erlebt hat.

Da wirkt es schon fast veraltet, Texte in Büchern zu lesen. Dabei hat ein Buch seinen ganz eigenen Reiz und wird wahrscheinlich auch entgegen vieler Prognosen weiterhin Bestand haben.

 

Denn nicht nur die Information zählt, sondern auch die Atmosphäre und die Intention, die in einem Buch auf ganz individuelle Weise vermittelt werden. Dies ist keinesfalls das Geschwätz von verklemmten Literaturprofessoren. Nein auch junge Menschen wissen das Besondere an einem Buch immer noch zu schätzen. Nicht nur dass sie Bücher lesen, nein, viele junge Menschen schreiben selbst Texte und lassen ihrer Phantasie und Kreativität freien Lauf. Vielen drängt sich dabei der Vergleich mit dem Journalismus auf, doch ist dieser hier nicht gemeint.

 

Eigene Gedanken und Gefühle auf ein Blatt Papier zu bringen, ist schwerer als man denkt, wie Schüler an unserer Schule am eigenen Leib erfahren. Dennoch ist es ungemein befreiend, wenn man sein Werk dann doch fertiggestellt hat. Das Gefühl, etwas zustande gebracht zu haben, überschattet schnell den Missmut, nicht sofort die richtigen Worte zu finden. Meist ist man dann sehr stolz auf sein Werk. Dennoch würde man gerne die Meinung einer anderen Person hören. Wie gut geschrieben ist der Text wirklich? Das herauszufinden ist gar nicht so einfach. Mitschüler, die nichts anderes schreiben als ihre Hausaufgaben (und auch das ist nicht unbedingt selbstverständlich), haben meist nicht die Erfahrung Texte analytisch-kritisch und dennoch konstruktiv zu bewerten. Benötigt wird jemand, der dies kann und im besten Fall sogar selbst schreibt, Verbesserungsvorschläge und Tipps gibt.

 

An unserer Schule hat sich deshalb eine Gruppe Schüler zusammengefunden, die geschriebene Texte vergleicht und bewertet. Etwa fünfzehn Schüler tauschen regelmäßig Texte aus und bieten Hilfe, Tipps und eigene Texte zur Bewertung an. Die Idee für eine solche AG existiert schon länger, jedoch hat lange Zeit ein Ziel gefehlt, auf das hingearbeitet werden konnte, um einer solchen Gruppe eine dauerhafte Basis zu geben.

Eine passende Möglichkeit bot sich dann im Mai letzten Jahres. Die Autorin und ehemalige Schülerin des Max-Planck Gymnasiums Ira-Elisa Rosenkranz bot den Schülern an, selbst geschriebene Texte in einem Sammelband zu veröffentlichen. Sie selbst hatte schon seit 2007 viele Lesungen zu ihrem neuen Buch "Angelina Engel" am MPG abgehalten und war sehr angetan vom Interesse der Schüler.

 

Nun mit einem eindeutigen Ziel vor Augen und der Möglichkeit, die eigenen Texte auch zu veröffentlichen, fanden sich viele interessierte Schüler. Nach einem Workshop und einer Vorstellung des Projektes, gründete sich dann im Herbst letzten Jahres die "Schreib-AG". Via Internet fanden sich die Schüler zusammen und analysierten und kritisierten vorher hochgeladene Texte. So waren von den Schülern nicht nur selbst geschriebene Texte gefordert, sondern Teamwork und redaktionelle Arbeit. Dies hinterließ natürlich die entsprechenden Spuren, sodass sich jeder Schüler im Rahmen des Projektes weiterentwickelte. Begleitet wird das Projekt von vier Lehrerinnen. Frau Fritz, Frau Kundel, Frau Illiades und Frau Müller standen mit vielen Tipps und Ratschlägen parat und motivierten immer wieder, das Endziel "Buch" nicht aus den Augen zu verlieren. Auch jetzt in der Endphase des Projektes ist das nicht anders.

 

Nach vielen Monaten harter Arbeit befindet sich das Projekt in der Endphase, sodass sogar der Termin für die Premiere feststeht. Am 28. Mai soll das Buch "von Schülern für Schüler" veröffentlicht werden. Neben vielen Lesungen, soll auch über die Entstehung des Buches berichtet werden.

Das Buch, fertig gestaltet und druckfrisch, ist dann für einen geringen Betrag käuflich zu erwerben. Das Projekt ist exemplarisch für das intensive, selbstständige und zeitaufwändige Arbeiten in einer Gruppe. Dennoch war die Arbeit auch mit viel Spaß verbunden, sodass nach einer hoffentlich sehr erfolgreichen Premiere, das positive Fazit hervorsticht:

Schreiben und Gedanken zu Papier zu bringen macht Spaß und schließt sich auch in einer globalisierten, automatisierten Welt nicht aus.

 

 

Roland Richtstein