
Martin Jondo
Geht man nach der altbekannten Binsenweisheit, ziehen sich Gegensätze an. Dass die Kopplung differenter Stilrichtungen nichts desto trotz in die Hose gehen kann, zeigen uns vielerei Exempel aus der Vergangenheit und Gegenwart. Ob nun die Verbindung von klassischen Stücken, die sich auf Grund fehlender Copyright-Rechte hervorragend zum Samplen und Wiederverwerten eignen, mit Popmusik, die Kreuzung aus Sprechgesang mit elektronischen Einflüssen oder - um Musik mal außen vorzulassen - das Abdriften der Sozialdemokraten in Deutschland zur Linkspartei, welches ihr Sahnehäubchen im Auftreten von Frau Ypsilanti erreichte - extravagante Mixturen aus zwei Stilrichtungen sind die Obhut vieler namenhafter Persönlichkeiten und gehen nicht immer gut.
Dass gewagte Verbindungen auch aufgehen und begeistern können, zeigt uns der Musiker Martin Jondo. Der mittlerweile 30-jährige Jondo besticht etwa so durch die Kopplung verschiedener Einflüsse. Zwar in Berlin geboren, ist er Sohn einer Koreanerin und konvertierte bereits zu Teenager-Zeiten zum Rastafari-Glauben. Seine Musik ist am ehesten in die Sparte des Roots-Reggae einzurodnen, aber da Schubladen dunkel, eng und einschränkend sind, wäre es auch Jondo gegenber ungerecht, seine Musik darauf zu beschränken. Viel zu vielfältig ist seine Musik, beherbergt sie doch ebenfalls Prägungen aus Dub, Dancehall, Soul und Rapmusik. Dass Bild eines originellen Freigeistes wird durch Jondos bemerkenswertes, sich von der Masse unterscheidendes Aussehen - Kinnbärtchen, Schlitzaugen, das permanente Tragen von Hüten und ein mondrundes Gesicht sind hier Erkennungsmerkmale des Euroasiaten - sowie seine charismatische Stimme abgerundet. Legt man die Scheuklappen ab und öffnet sich für eine Vielfalt verschiedener Musikgenres, wird man von Jondo begeistert sein.
Müsste ich Jondos Musik beschreiben, würde ich als erstes sagen, dass sie auf jeden Fall sehr instrumentell und melodisch ist. Bei Konzerten hingegen schafft er es das Publikum mit einfachen Mitteln in seinen Bann zu ziehen, indem er einfach auf einen sogenannten "Riddim" mit seiner Akustikgitarre munter Akkorde aneinanderbastelt und dazu singt. Auch inhaltlich deckt Martin Jondos Musik ein breites Spektrum an Thematik ab. Im Song "Children" thematisiert er Kinderarmut, "Oh Gosh" hingegen ist die Lobpreisung für die Rastafari-Gottheit Jah und "Hold You" eine einfache, aber den Zweck erfüllende Liebeserklärung. Ist Jondo noch nicht sehr bekannt, kann man sich in Zukunft gewiss darauf gefasst machen, mehr von ihm zu hören. 2006 erschien das grandiose "Echo & Smoke"-Album, daraufhin folgte die Zusammenarbeit mit solchen Szenegrößen wie dem Wahljamaikaner Gentleman, Culcha Candela oder Mellow Mark, Auftritte auf europabekannten Festivals wie dem "Summerjam" oder dem "Chiemsee Reggae Festival" sowie die Wahl vom Reggae-Magazin "riddim" zum "Newcomer des Jahres". Am 31. Januar 2009 erschien sein zweites Album "Pure". Show some Love.
Jan Karon