Leonardo da Vinci

Leonardo Da Vinci

von Romina Springer

 

Leonardo Da Vinci wurde am 15. April 1452 in Vinci geboren, wo er bei seinen Eltern Ser Piero di Antonio und Caterina Da Vinci aufwuchs. 1496 begann er eine Lehre als bildender Künstler, doch er interessierte sich ebenso für die Wissenschaft und die Musik. Über Leonardo wurde nur Merkwürdiges, Außergewöhnliches und fast nur Gutes berichtet, dabei wurde vor allem hervorgehoben, dass er vielseitig begabt, liebenswert und ein attraktiver junger Mann war. Doch seine homosexuellen Neigungen waren zu seiner Zeit ein Strafbestand und so musste Leonardo diese geheim halten. Hinzu kommt der Hang begonnene Werke nicht zu vollenden, da er an einem breiten Spektrum interessiert war. Unmittelbare Folgen dieser Interessenvielfalt waren das Beginnen und das Liegenlassen diverser Werke. Dass Leonardo Da Vinci ein außergewöhnlicher Künstler war, zeigt sich auch an seinen Berufen, denn er erlernte neben dem Beruf des Zeichenkünstlers auch alle diesem Gebiet zugehörigen Berufe. Von keinem anderen Künstler ist so ein umfangreiches, authentisches, reichhaltiges Oeuvre überliefert. Besonders ab den 70er Jahren des 15. Jahrhunderts zeigt sich Leonardos Talent und seine herausragenden Fähigkeiten in der Zeichenkunst. Dazu kommt die für ihn charakteristische Spiegelschrift. Neben dem Beruf als Zeichenkünstler belegt er auch ein Modell- sowie ein Naturstudium, die unmittelbare praktische Anwendungen in der Malerei fanden. Die früheste datierte Zeichnung Leonardos ist das Bild mit dem Titel „Am Tage der heiligen Maria vom Schneewunder, 5. August 1473“. Es zeigt möglicherweise einen von Vinci nach Pistoia führenden Höhenweg. Seine ersten Gemälde zeigen eine gewisse Beschränkung auf kleine Aufträge, denn es war nicht leicht für ihn, sich auf dem Florentiner Kunstmarkt zu behaupten und in Szene zu setzen. 1478 erhielt Leonardo dann endlich seinen ersten größeren Auftrag mit der Hilfe seines Vaters. Er sollte ein Altarbild für die Bernhardskapelle im Palazzo Vecchio im Florentiner Regierungspalast malen, doch trotz eines Geldvorschusses wurde das Gemälde nie vollendet. Darauf folgten weitere teils wichtige unvollendete Werke. Ende 1482, Anfang 1483 verließ Leonardo nach über 30 Jahre seine Heimatstadt, um nach Mailand zu gehen und einen beruflichen Neuanfang zu starten, denn er hoffte auf gewichtigere Aufträge. Seinen ersten Auftrag bekam er von der Bruderschaft der Mailänder Franziskanerkirche S. Francesco Grande, dabei sollte Leonardo das Mittelfeld des Altarretabels fertig stellen. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre ist es ungeklärt, wie er sich beruflich über Wasser hielt, denn er befasste sich mit Entwürfen von Kriegsmaschinen, zeichnete Waffen verschiedener Arten, Befestigungsanlagen, komplexe Verteidigungssysteme, Belagerungsmaschinen sowie schwerfällige gepanzerte Fahrzeuge. Hinzu kommen Pferdegespanne mit Sicheln, die den Gegner hätten scharenweise niedermähen sollen und Skizzen zu Zentralbauten. In dieser Zeit versuchte Leonardo sich als Hofkünstler zu etablieren und begann mit Aufzeichnungen zu fast allen Wissensgebieten, dabei standen vor allem technische, künstlerische und wissenschaftliche Zeichnungen im Vordergrund. Neben den Kriegsmaschinen versuchte er sich auch an Flugapparaten, wozu er Studien zum Vogelflug, zur Aerodynamik des Fliegens und der Konstruktion von Flügeln durchführte. Diese Studien und Entwürfe lagen weit über den technischen Möglichkeiten seiner Zeit, doch daran störte sich Leonardo Da Vinci nicht. Ende der 80er Jahre begann er Studien zu den Proportionen des menschlichen Körpers, zur Anatomie und zur Physiologie. Dazu verfertigte er im April 1489 den Anfang eines Buches namens „Von der menschlichen Figur“, welches er aber nie vollendete. Vorlagen für diese „menschliche Figur“ erlangte er durch die Abmessungen von Körpermaßen (auch sitzend und stehend), wobei Leonardo auch monatelange Vermessungen an Pferden machte, hinzu kommen anthropometrische Studien sowie der Verglich mit Vitruvs Proportionsfigur. Dabei kam er zu dem Schluss, dass ein Mann mit gespreizten Armen und Beinen, gleichermaßen in eine perfekte geometrische Figur von Kreis und Quadrat passt. Damit schaffte Leonardo eine bis heute maßgebliche Illustration der Angaben Vitruvs und war der erste Mensch, der sich bis dahin mit den Proportionen eines Menschen beschäftigte. In dieser Zeit begann er auch anatomische Studien zu den Maßen eines menschlichen Schädels und teilte die einzelnen Gehirnareale in „Abteilungen“ ein. Mit der Darstellung des Geschlechtsaktes illustrierte Leonardo seiner Zeit gängige physiologische Vorstellungen hinsichtlich der Verbindung innerer Organe, denn nach diesen Auffassungen müsste den einzelnen Organen eine bestimmte Emotion zugeordnet werden können. Während seinen Proportions- und Anatomiestudien etablierte sich der Künstler am Hofe Ludovico il Moros in Mailand, dort organisierte er höfische Feste, malte mehrere Jahre an einem nicht ausgeführten Reiterdenkmal Francesco Sforzas und begann als Bildnismaler das Wandbild „Abendmahl“. Hinzu kommt die Betreuung des Sforza-Denkmals, welches aber nie vollendet wurde. Auch kümmerte er sich um die Heizungsinstallation der herzoglichen Paläste, fertigte Dekorationen für höfische Feste und führte Arbeiten als Maler aus. Dabei waren das „Abendmahl“ und die „Mona Lisa“ entscheidend für den Ruhm als Maler. Nach dem Einfall der französischen Truppen in Oberitalien verließ Leonardo Da Vinci im Dezember 1499 Mailand und brach nach Mantua und Venedig auf. Allerdings verlor er nach dem Sturz Ludovico Sforzas seinen bis dahin wichtigsten Auftraggeber. Aber durch die Verknüpfungen der Bekanntschaft zum französischen Hof bekam er wieder wichtige Aufträge, dies sollte auch eine wichtige Bedeutung für Leonardos weiteren Lebensweg haben. Der französische König Ludwig VII. warb ihn nämlich für ein Bild, welches aber nie über einen Entwurf hinauskommen sollte.. Ein Grund für diese Unvollendung waren Leonardos Wanderjahre, denn zuerst förderte Isabella d`Esta seine bildenden Künste in Mantua, danach kehrte er zurück in seine Vaterstadt und erfüllte dort Aufgaben für die Servitenmönche . Im Sommer 1502 wandte er sich dann einem völlig anderen Beschäftigungsgebiet zu, Leonardo Da Vinci nahm eine Stellung als Kriegsingenieur bei dem Feldherrn Cesare Borgia an, doch dieses Unternehmen endete schon Anfang des Jahres 1503. Danach ging er wieder zurück nach Florenz, um kurzzeitig wieder als Maler tätig zu werden. Dort traf Leonardo auf Michelangelo und Raffael, wobei er mit Michelangelo, der fast eine Generation jünger war, in einen Konkurrenzkampf geriet. Dabei verfielen die Beiden in einen direkten Wettstreit, denn jeder sollte ein Wandbild für den Ratssaal des Florentiner Regierungspalasts fertigen. In diesem Kampf gewann aber Michelangelo gegenüber dem viel älteren Leonardo, denn dieser war mehr von seinem Konkurrenten beeindruckt, als umgekehrt. Zur gleichen Zeit begann Leonardo mit der Mona Lisa, ein Porträt der 1479 geborenen Lisa del Giocondo, dieses Werk ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts das bekannteste Werk des Künstlers und auch das berühmteste Bild der Welt. Auftraggeber war Francesco del Giocondo, allerdings wurde das Bild nie übergeben. In den letzten Jahren Leonardos gelang es ihm 1506 einen 3-monatigen Urlaub zu erwirken, aber er blieb länger in Mailand als geplant. 1508 stand er dann in den Diensten des französischen Machthabers in Mailand. Seine in Florenz wieder aufgenommenen Anatomiestudien setzte der Wissenschaftler in Mailand und Rom fort, dazu schuf er Festdekorationen für den französischen Hof, baute das Bewässerungssystem aus, war Architekt und arbeitete an unvollendeten Werken. In seinem zweiten Mailand-Aufenthalt widmete er sich sichtlich weniger der Malerei als den Anatomiestudien und den dazugehörigen Zeichnungen. Dabei fokussierte sich Leonardo auf die Sezierung des menschlichen Körpers, wobei er Beeinflussungen durch Lehrbuchmeinungen ignorierte. Er konzentrierte sich auf die Muskeln und die Bewegungsapparate, beschränkte sich dabei aber größten Teils auf die Darstellung der Oberflächenanatomie, der Muskelapparatur und den Knochenbau; tiefere Schichten wurden wegen technischen Schwierigkeiten ungenau. 1513 ging der Künstler dann mit Giuliano de Medici an den päpstlichen Hof in Rom, nachdem sein wichtigster Auftraggeber Charles d`Amboise plötzlich verstarb. Wahrscheinlich beschäftigte er sich dort nur noch mir Dekorationen, dem Kanalisationsprojekt in der Sologne und Plänen für den königlichen Palast in Romorantin. In den Jahren 1514 und 1515 befasste sich Leonardo mit verschiedensten wissenschaftlichen Experimenten. Am 2. Mai 1519 verstirbt er dann in Cloux.