Eric Drooker
Dass viele Repräsentanten der Künstler-Bohème politisch linksradikales Gedankengut vertreten und sich weiterhin nicht zu schade sind, dieses öffentlich zu repräsentieren, ist weitläufig bekannt. Und dabei ist die Liste derjeniger, die Anomie und Anarchismus zu ihren Maximen ausrufen oder begeisterte Leser des Manifests des werten Herren Marx sind, gar nicht kurz. Als Beispiel für rebellische Herrschafts- und Regelwidersacher wären der Schriftsteller Ilja Trojanow, der Philosoph Albert Camus, der Musiker Rio Reiser oder der Belletristit Charles Godwin Eric Drooker zu nennen. Der jüdische, aus den Vereinigten Staaten stammende Maler sowie Zeichenkünstler gehört ebenfalls dazu.
Geboren wurde Drooker 1958. In den grauen Hochhaus-Bauten New Yorks aufgewachsen, waren seine Großeltern jüdische Osteuropäer, die, nicht zuletzt wegen ihres Glaubens, in die USA immigrierten. Von ihnen wurde Drookers politische Ansicht schon früh geprägt. Parallel zur Vermittlung von politischem Gedankengut ging die typisch-jüdische elitäre Bildung Drookers vonstatten, die auch in früher künstlerischer Beeinflussung und dem Lehren von Zeichenkunst sowie der Kunst des Holzschnittes mündete. Die Symbiose aus kontroversen gesellschaftlichen Auffassungen, der nötigen Intelligenz sowie dem Ausleben des künstlerischen Freigeistes waren das Fundament, von dem aus Drooker die Brücke seiner künstlerischen Selbstverwirklichung bauen konnte.
Schon früh interessierte sich Drooker für Kunst. Zu stark waren die Gene der Eltern, die hochgradig intellektuell waren und ebenfalls künstlerisch veranlagt waren. So war sein Vater Journalist und seine Mutter bedeutende Schauspielerin im Theater. Da der Apfel bekanntlich nicht weit vom Baum fällt, war der Nährboden für Drookers Entwicklung geschaffen. Bereits in jungen Jahre las Drooker Comics oder setzte sich mit Holzschnitt-Literatur auseinander. Studieren ging Drooker ebenfalls - und zwar in New York an der Cooper University, wo er Bildhauerei als Studiengang auswählte.
Die Intention, die hinter Drookers Bildern steckt, ist nicht eindeutig. Sein Stil orientiert sich sicherlich an abstrakter Malerei, wird aber in den meisten Fällen komplett schwarz-weiß gehalten. Weiterhin ist ein Bezug zum Expressionismus - in erster Linie sei hier Marc Chagall als Parallele genannt - nicht von der Hand zu weisen. Eindeutig auslegbar und direkt auf etwas anspielend sind die Kunstwerke hingegen bei weitem nicht; viel zu verworren und an Einzelheiten überfüllt scheinen Drookers Bilder. Oftmals gewinnt man gar das Gefühl, dass Figuren oder Elemente, die dort eigentlich nichts zu suchen haben, mit Verlaub gesagt, zufällig hingezeichnet worden sind und keineswegs ins Konzept passen, weil sie den Rest kontrastieren. Nimmt man die Scheuklappen jedoch von den Augen und setzt man sich mit teilweise der paradox erscheinenden Detailverliebtheit auseinander, so gewinnt man den Eindruck, dass sie in Drookers Kunstwerken Mittel zum Zweck sind und die Intention unterstützen - so begreift man auch, weshalb der auf einem Hochhaus stehende, einschüchternde Hund, auf dessen Fell "Hypo Real Estate" steht, eine Abrissbirne um den Hals trägt, die der ihm unterlegenen Gesellschaft Angst eintreibt. Um auf nur ein Beispiel von Drookers paradox-erscheinenden, komplexen Bildern einzugehen. So subtil die gesellschaftliche Kritik in solchen Bildern zu sein scheint, so oft lässt sie sich wiederfinden. Egal ob Illuminaten-Referenzen und Verschwörungstheorien, die Verarbeitung der Geschichte (s)eines heimatlosen Judentums - die Gasmaske, auf die Vergasung in Konzentrationslagern anspielend, ist ein nahezu omnipräsentes Motiv Drookers -, die Darstellung isolierter Personen oder die fast schon erheiternde Darstellung des Großkonzerns "Hypo Real Estate" - die Werke des US-amerikanischen Malers sind permanent chiffriert und auf den ersten Blick nicht interpretierbar.
Auch wenn Drooker ein relativ unbekannter Maler ist, vermag er es mit seinen Werken Erfolg zu haben. Nebst der Malerei widmet er sich dem Zeichnen, dem Designen von politischen Flugblättern, der Publikation von grafisch ausgearbeiteten Büchern oder der Gestaltung von Titelblätter renommierter Zeitschriften wie beispielsweise "The New Yorker". Abgerundet werden Drookers künstlerische Allround-Fähigkeiten mit der Tatsache, dass er der (selbstverständlich extrem linken) deutschen Punk-Band "...But Alive" Alben-Cover und Booklet designt hat. Um hierbei Drookers Motivation zu verstehen, sollte am Rande erwähnt werden, dass besagte Punk-Band in ihren Texten RAF-Anschläge glorifiziert oder stellenweise Frau Meinhof zitiert. Auch wenn politische Überzeugungen sicherlich zweifelhaft und kontrovers sind, ziehe ich vor der nahezu vollkommenen künstlerischen Persönlichkeit Drookers den Hut. Show some Love.
Jan Karon