MS-unheilbar krank

MS – Unheilbar krank

Als Erwachsener nachts oder auch tagsüber einzunässen, in der Bahn, dem Theater beispielsweise, wenn die Kontrolle der Blasenfunktion wieder einmal verloren geht; aufzuwachen mit einem Taubheitsgefühl, die komplette linke Körperhälfte betreffend oder schwankendes, unkontrolliertes, dem Laufstil eines Betrunkenen ähnelndes Fortbewegen, aufgrund Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen. Dies sind Erfahrungen die mehr oder minder alle MS-Patienten im Verlauf ihrer Krankheit jährlich, monatlich, wöchentlich oder auch täglich zu ertragen haben.

Chronische Gefühlsstörungen, Sehstörungen, Lähmungen, wahnsinnige Schmerzen oder Taubheitsgefühle übermannen den Körper schubweise, verschwinden und tauchen wieder auf; eventuell bleiben die Symptome auch bestehen. Die sogenannten ,,Schübe“ treten in diesem Falle nicht mehr auf und der Zustand des Kranken verschlechtert sich kontinuierlich. Einmal an MS erkrankt, was meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr und häufiger bei Frauen der Fall ist, begleitet einen die Krankheit ein Leben lang.

Hat man Glück treten die Schübe in großen Abständen auf und bilden sich jedes Mal vollständig zurück, wie es bei 90% bis 95% aller MS Patienten der Fall ist. Bei 30% bis 40% dieser Fälle verschlimmert sich die Krankheit erst nach einiger Zeit kontinuierlich, die Schübe bleiben aus. Bei 5% bis 10% aller Erkrankten allerdings existieren die Symptome von Beginn der Krankheit an ohne Schübe und verschlechtern sich zunehmend. Die Krankheit und ihre Unheil bringenden Schübe wurden von der australischen MS- Gesellschaft in einer Anzeigen-Kampagne folgendermaßen und sehr treffend beschrieben:

,,Wenn du Multiple Sklerose hast, weißt du nie, was als Nächstes ausfällt.“

 

Das dazugehörige Plakat zeigt eine an MS erkrankte Frau mit einem ,,Use by“-Stempel, was soviel bedeutet wie ,,verwendbar bis“, auf nahezu jedem einzelnen Körperteil. Dieser verdeutlicht, dass die Krankheit in ihrem Verlauf jedes Körperteil schädigen kann, und dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann die Multiple Sklerose ihr nächstes ,,Opfer“ des Körpers außer Gefecht setzt.

Multiple Sklerose, wörtlich übersetzt die vielfache(=multiplex), durch Vermehrung des Bindegewebes auftretende Verhärtung und somit Schädigung(skleros=hart), von Organen oder Gewebe.

Genau genommen ist Multiple Sklerose eine entzündliche Autoimmunerkrankung , die Gehirn, Sehnerv, Rückenmark und somit das Zentralnervensystem betrifft. Bei einer solchen Autoimmunerkrankung richten sich die Immunzellen, die eigentlich den Körper vor fremden Viren, Bakterien etc. schützen sollten, gegen eben diesen. Sie greifen die Hüllen der Nervenfasern an, was wiederrum zu der bereits erwähnten Entzündung führt. Die Folgen sind a) die Demyelinisierung, die die Zerstörung der Myelinscheiden, d.h. der Schutzhüllen der Nervenzellen beschreibt, und b) die Schädigung der Nervenfasern und –zellen, welche in Nervenausfällen endet, da Nervensignale nicht mehr auf dieselbe Weise weitergeleitet werden können wie es über vollkommen intakte Nervenfasern und –zellen der Fall wäre.

Heilbar ist Multiple Sklerose bis heute nicht, der Verlauf der Krankheit ist jedoch mit Medikamenten zu beeinflussen und vielerlei therapeutische Maßnahmen dienen dazu, die Unabhängigkeit des Erkrankten im Alltag zu erhalten oder wieder herzustellen und somit für die für ihn beste erreichbare Lebensqualität zu sorgen.

An MS Erkrankte beschreiben ihren Zustand als ,,kontinuierlich geschwächt“, ,,ständiges Taubheitsgefühl“ oder auch als ,,teilbehindert“, und das zu Recht. Sie leiden an Muskelschwäche, schwerer Müdigkeit, gestörtem Tastsinn, Missempfindungen, plötzlichen Sehstörungen, Lähmungen, Koordinations-, Schluck-, Konzentrations-, Sprach- und Gedächtnisstörungen, unwillkürlichen Augenbewegungen, Kontrollverlust der Blasen- und Darmfunktion, Erektionsstörungen und verminderter Empfindsamkeit, Schmerzen, Schwindel und Depressionen. Ein ,,normales“ Leben ist für die meisten aller MS Erkrankten nicht erdenklich. Wieder laufen, Sport treiben, klar sehen und somit Auto fahren zu können sind nur ein paar wenige Beispiele die diese Krankheit ihnen unmöglich machen kann.

 

 

Hanna Freund, MSS 11