
Obwohl er sich nach seiner Bekehrung zum Christen wie wiedergeboren gefühlt haben mag – Obama ist natürlich nicht die schwarze Reinkarnation von John F. Kennedy.
Doch lassen sich in der Tat einige bemerkenswerte Parallelen zwischen Lebenslauf und Wirken der Legende JFK und der jungen Karriere des Barack Hussein Obama ziehen.
Beide haben eine bewegte Biographie: Als Kind zog Obama viel um und bereiste später als Senator ferne Länder, ebenso Kennedy. Obama verbrachte seine Jugend allerdings in Hawai und Indonesien – einen Tick kosmopolitischer als Kennedy, der lediglich innerhalb der USA aufwuchs. Auch hatte er nicht das Glück Kennedys, trotz der Umzüge in geordneten Familienverhältnissen aufzuwachsen, sondern verlor im Alter von zwei Jahren seinen Vater durch Scheidung, wurde von seiner Mutter und danach von seiner Großmutter aufgezogen.
Als weitere Gemeinsamkeit wäre zu erwähnen, dass sowohl Obama als Schwarzer als auch Kennedy als irischstämmiger Katholik Angehörige einer Minderheit sind bzw. waren. Beide durchlebten früh harte Prüfungen. Kennedy diente im Zweiten Weltkrieg, hatte zu kämpfen mit seiner äußerst schlechten Gesundheit und vermutlich auch mit den Ansprüchen seines Vaters. Obama machte eine radikale Phase der Identitätskrise und Drogensucht anfang 20 mit.
Während Kennedy jedoch nach dem Krieg als Held und Lebensretter einiger Kameraden gefeiert wurde, immer das Privileg genoss, der Oberschicht anzugehören und schließlich auch von seinem reichen Vater finanziell ins Repräsentantenhaus gehievt wurde, lernte Obama die Gesellschaft von unten kennen, da er sich als Sozialarbeiter in den Chicagoer Armenvierteln engagierte, und arbeitete sich auch politisch erst zum Landessenator in Illinois hoch, indem er vor allem die schwarzen Arbeiter mobilisierte. Noch eine Gemeinsamkeit: Beide sind jung, Anfang bis Mitte 40. Kennedy war es zumindest, als er 1960 für das Präsidentenamt kandidierte – nun ist er tot, bekanntermaßen. Obama muss schon jetzt vom Secret Service bewacht werden…
Politisch muten die Ähnlichkeiten zwischen dem Toten und dem Lebenden beinahe noch frappierender an. Kennedy zeigte sich als liberaler, toleranter Politiker, als er die Rassentrennung an den Hochschulen aufhob, Obama setzte sich als Anwalt und Politiker für die Rechte von Homosexuellen und für die Bürgerrechte allgemein ein. Obama spricht gerne von seinem Traum eines neuen, “großzügigen Amerika” und schickt sich an durch Aktionen wie seine Tätigkeit als Helfer der Arbeiterfamilien und seine Fürsorge für krankenversicherungslose Menschen, die soziale Ader von JFK, genannt seien hier nur der Wohnungsbau, die Arbeitslosengeld- und Mindestlohnerhöhung sowie die Entwicklungshilfeprojekte, zu entkalken und mit neuem Leben zudurchfluten. Friedliebend sind sie anscheinend auch beide, man vergleiche Kennedys Politik der Deeskalation während der Kubakrise, im Vietnamkrieg und im Kalten Krieg allgemein mit Obamas Ablehnung des Irakkriegs, des Terrorismus und seiner Dialogbereitschaft in der internationalen Diplomatie.
Als Fazit: Obama könnte tatsächlich frischen Wind in die USA bringen in Form einer Reaktivierung von Kennedys Mythos der Erneuerung, des Friedens, der Toleranz und der Solidarität.
Eines haben Obama und Kennedy jedoch ebenfalls gemeinsam: Sie haben einen Feind, was bei Kennedy der Kommunismus war, ist bei Obama der Terrorismus, und sie verfolgen ihm gegenüber die Interessen Amerikas, auch mit Gewalt, man beachte die Invasion in der Schweinebucht und Obamas Bekenntnis, kein US-Präsident “sollte jemals zögern Gewalt anzuwenden – wenn nötig unilateral”.
Philip Lambrix