
Die Geschwister Scholl - Das Leben der Sophie Scholl
von Vanessa Held
Wenn wir den Namen Sophie Scholl hören, denken wir an eine junge, tapfere Frau, die sich für ihr Vaterland eingesetzt und für ihre Freunde aufgeopfert hat. Doch war sie wirklich immer so mutig und tapfer? Oder hatte nicht auch sie Angst vor dem Tod? Sophia Magdalena Scholl, genannt Sophie, wurde am 9.Mai 1921 in Forchtenberg geboren und wuchs mit ihren Geschwistern Inge, Hans, Elisabeth und Werner in Ulm auf. Von ihren Eltern wurden die Geschwister zu christlich-humanistischen Werten erzogen. Beide, Robert Scholl und auch Magdalena Scholl, waren sehr liberal eingestellt und erzogen ihre Kinder zu dem Standpunkt, dass man Glaube und Politik auf keinen Fall trennen sollte. In ihrer Jugend schenkte Sophie den Nationalsozialisten zunächst sehr großen Glauben und trat dem "Bund Deutscher Mädel" bei, wo ihre anfängliche Begeisterung dem Nationalsozialismus gegenüber bald in starkes Misstrauen und Kritik umschlug. Besonders Verbote, die sie in ihrer eigenen Individualität einschränkten, prägten sie sehr. Dazu gehörte zum Beispiel das Verbot russische und norwegische Volkslieder zu singen, und auch das Verschwinden eines jungen Lehrers brachten sie zum Nachdenken. Der ausschlaggebende Grund kam schließlich 1936, als sie mit ihrem Bruder an einenm Treffen der Deutschen Jugend teilnahm. Dort bestätigte sich ihre Kritik. Sophie fing eine Lehre als Erzieherin an, nach deren Abschluss sie 1942 an der Münchener Universität Biologie und Philosophie studierte.
Durch ihren Bruder, der an derselben Universität Medizin studierte, lernte sie andere junge Studenten kennen, die ihre Abneigung gegen die Nationalsozialisten teilten. Schließlich gelang es Sophie sich der Gruppe, der auch ihr Bruder angehörte, anzuschließen, obwohl dieser versuchte, sie davon abzuhalten, da er sie nicht in Gefahr bringen wollte. Doch schon zu diesem Zeitpunkt lernen wir die Stärke und Eigenwilligkeit der jungen Frau kennen, denn sie stellt sich gegen die Argumente ihres Bruders und schließt sich der Gruppe an. Betrachtet man ihren Bruder Hans Scholl zu diesem Zeitpunkt genau, fällt auf, wie sehr er seine Schwester liebt, was auch in der nachfolgenden Zeit immer wieder zum Ausdruck kommt. Sophie, die nun in der Gruppe mitarbeitete, entwickelte mit ihnen Flugblätter, verteilte sie und übte öffentlich Kritik . So entstand bei den Studenten Sophie und Hans Scholl, Christof Probst, Alexander Schmorell, Willi Graf und dem Professor Kurt Huber die Widerstandsbewegung "Weiße Rose". Zusammen druckten sie tausendfach die Flugblätter, verteilten sie in Telefonzellen, an parkenden Autos und gaben sie an Verbündete in Nachbarstädten weiter. Nachdem sie es im Januar 1943 schafften, die Flugblätter auch in Wien, Berlin, Stuttgart und Köln zu verteilen, ergriff die NS stärkere Maßnahmen, um die Übeltäter zu finden. Am 18. Februar druckten sie mit ihrem 6.Flugblatt ihr eigenes Todesurteil. Wagemutig liefen Hans und Sophie mit Flugblättern bewaffnet in die Münchner Universität und verteilten sie vor allen Türen. Dabei erwischt zu werden, hatten sie jedoch nicht geplant, aber sie wurden von ihrem Hausmeister Jakob Schmidt abgefangen, der bei der SA arbeitete und sie direkt zum Direktor führte. Dort wurden sie mehrere Stunden von dem Universitätssyndikus Dr. Ernst Haeffner und dem Rektor der Universität, Prof.Walther Wüst, der SS-Standartenführer war, verhört. Dabei stritten sie alles ab und verneinten die Frage, ob sie die Flugblätter mit den Parolen gegen Hitler und die NS verteilt hätten. Auch über ihre Freunde verloren sie kein Wort. Schließlich wurden sie von der GESTAPO festgenommen und in deren Zentrale im Wittelsbacher-Palais gebracht. Dort trennte man die Geschwister und brachte Sophie Scholl zu dem Kriminalobersekretär Robert Mohr, wo sie wohl eins der schlimmsten Verhöre erlebte, die es gegeben hat. Anfänglich stritt Sophie weiterhin alles ab und leugnete jede Tat.Ihr Bruder, der zur gleichen Zeit verhört wurde, gab zwischenzeitlich zu, dass er die Flugblätter gedruckt und verbreitet hatte. Als Sophie das hörte, stellte sie sich ebenso der Tat, um ihren Bruder zu unterstützen und behauptete, sie und ihr Bruder hätten alles allein getan. Dass das sehr unglaubwürdig war, wusste sie vermutlich selbst, denn wie hätten es zwei Menschen schaffen sollen, Tausende von Flugblättern in kürzester Zeit so weit zu verbreiten? Vorläufig schaffte sie es, ihre Freunde zu schützen, nur einer ihrer Freunde, Christof Probst, wurde von der NS gefangen genommen und musste mit den Geschwistern am 22.Februar zum Volksgerichtshof. Hier lief ihre Verhandlung unter dem Richter Roland Freisler, der als härtester Richter des Dritten Reiches galt. Auch hier, im Angesicht des Todes, verlor Sophie ihren Mut nicht. Während ihr Bruder noch versuchte, seine Schwester und seinen Freund zu verteidigen, stand diese vor dem Richter, stritt nichts ab und übte im Gerichtssaal vor allen NS-Mitgliedern noch einmal öffentliche Kritik am System.Die Eltern der zwei, die ihren Kindern helfen wollten, konnten auch nichts mehr für sie tun und ihnen nur noch einen letzten Besuch abstatten, denn Freisler hatte alle drei Angeklagten zur Todesstrafe verurteilt. Ihre letzten Briefe, die sie vor ihrer Hinrichtung gegen 17.00 Uhr schrieb, waren an ihren Verlobten Fritz Hartnagel und an ihre Eltern gerichtet. Ihr Verlobter heiratete später Sophies Schwester Elisabeth. Sophies und Hans’ Versuche, ihre Freunde zu schützen, waren erfolglos, den kurze Zeit nach ihnen wurden auch dies gefangen genommen und auch zum Tode verurteilt. Auch nach ihrem Tod erreichte die "Weiße Rose" noch viele Menschen. Ihr 6.Flugblatt wurde Mmllionenfach gedruckt und im Herbst 1943 aus britischen Flugzeugen über ganz Deutschland abgeworfen. So erreichte es das ganze Land und brachte viele zum Nachdenken. Die 21-jährige Frau macht deutlich, wie wichtig es ist, für seine Ziele zu kämpfen und dabei nicht aufzugeben, auch wenn unerwartete Ereignisse eintreten.