Attila

und die Hunnen

„Der Begriff Hunnen ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe zentralasiatischer Reitervölker mit nomadischer  Lebensweise.

- http://de.wikipedia.org/wiki/Hunnen

 

 Aufgrund klimatischer Veränderungen und daraus folgender Hungersnöte begannen sie,  im 3. Jahrhundert,  westwärts zu ziehen. Als Reitervolk zeigten sie großes Geschick für die Kriegsführung zu Pferde, sowohl mit dem Speer als auch dem Bogen. Gemeinsam mit ihren Familien und großen Herden von Pferden und anderen gezähmten Tieren zogen sie auf der Suche nach neuem Grasland umher. Ihr militärisches Geschick und ihre Disziplin machten sie unbesiegbar, sie vernichteten alles , was sich ihnen in den Weg stellte. Die Hunnen lösten eine Migrationswelle aus, als andere Völker versuchten, ihnen zu entkommen. Diese, wie durch einen Dominoeffekt ausgelösten, riesigen Bevölkerungswellen suchten sich ihren Weg um die Machtzentren Konstantinopel und Rom herum und spülten über die Donau und den Rhein.  Bis zum Jahr 476 hatten sie das Weströmische Reich schließlich vollständig überflutet.

 

Die Hunnen sind somit hauptverantwortlich für die erste große Völkerwanderung der Geschichte.

 

Sie leiteten diese in den 70er Jahren des 4. Jahrhunderts ein, als sie unter ihrem Anführer Balamir die Wolga überquerten. Sie vertrieben die Alanen und überranten Ermanarichs Ostgoten-Reich. In der Folgezeit erreichten sie die Grenzen des von ihnen zum Teil besiegten oströmischen Reiches. Sie zogen weiter und plünderten Gebiete, wie zum Beispiel  Teile des Reiches  der Burgunder, Regionen der Silling Vandalen und Festungen an der unteren Donau.

 

Die Hunnen waren ausgezeichnete Reiter, die von Kindesbeinen an trainierten. Ihnen wird auch die Erfindung des Steigbügels zugesprochen, der die Kampfkraft eines Reiters, der mit eingelegter Lanze angriff, erheblich verbesserte. Die Schnelligkeit ihrer Armee(sie wechselten mehrere Male am Tag ihre Pferde) war bei ihren Gegnern gefürchtet. Ein weiterer Vorteil waren ihre geschwungenen Verbundbögen, die allen im Westen gebräuchlichen Fernwaffen weit überlegen waren. In ihren  Steigbügeln stehend konnten die Hunnen in alle Richtungen schießen, sogar nach hinten (Parthisches Manöver). Zu ihren Taktiken gehörten Überraschungs- und Blitzangriffe und der Schrecken, der dadurch ausgelöst wurde. Ihre Armeen bestanden hauptsächlich aus leichter Kavallerie.

 

Aufgrund ihrer Gesellschaftsstruktur brauchten die Hunnen einen starken Anführer, der ihnen ein Ziel vorgab. Ebendieser fehlte anfangs jedoch, wodurch die Hunnen keine wirkliche Bedrohung für das römische Reich waren, sondern sogar gruppenweise in römischen Sold genommen werden konnten.

Die ersten greifbaren Anführer waren die Gebrüder Mundschuk, Oktar und Rua. Oktar starb 430, wodurch Rua über den größten Teil der europäischen Hunnen regierte.

 

Rua war der erste Anführer, der  eine einheitliche Führung  gewährleisten konnte, was sich in einer energischeren Außenpolitik niederschlug. Zwar schloß er Frieden mit den Römern, verlangte aber mäßige Tributzahlungen. Als Gegenleistung versprach er  Rom im Bedarfsfalle Truppen zu stellen, was z.B. im Falle der Burgunden-Kriege auch geschah (Nibelungensage).

 

Den Höhepunkt ihrer Macht erlebten die Hunnen unter der Herrschaft Attilas. Nach dem plötzlichen Tod Ruas (angeblich im Jahr 434) wurde das Reich zwischen seinen Neffen Bleda und Attila aufgeteilt. Bleda erbte den Osten, Attila den Westen des Reiches. Die beiden sollen gemeinsam regiert haben, aber Attilas Name wird bei allen politischen und kriegerischen Aktionen trotzdem allein erwähnt.Die Hunnen stellten 436 den Römern Hilfstruppen, welche das Reich der Burgunden völlig zerschlugen. Attila wurde, obwohl er nicht daran beteiligt war, wichtiger Bestandteil der deutschen Heldensage:

 

Er ist der König Etzel des Nibelungenliedes.

 

Ab dem Jahr 445 hielt Attila die Macht alleine inne. Die Umstände sind nicht genau geklärt. Vorstellbar ist, das Bleda eine Intrige gegen Attila gesponnen hat, möglich ist aber auch das Attila die Macht alleine innehaben wollte. Feststeht das Attila Bleda kurz vor der Ankunft der Stammes- und Klanfürsten durch Attentäter ermorden ließ. Unter dem Alleinherrscher Attila erreichte die Macht der Schwarzen Hunnen ihren Höhepunkt.

 

Siedlungsland, das ihren Ansprüchen gerecht wurde, fanden die Hunnen in der ungarischen Tiefebene; sie schlugen ihr Hauptquartier in Szeged an der Theiß auf. Für die Versorgung ihrer Pferde und der anderen Tiere brauchten sie riesige Weideflächen. Von diesen Ebenen aus kontrollierten die Hunnen entweder durch Bündnisse oder Eroberungen ein Imperium, das letztendlich vom Uralgebirge in Russland bis zur Rhône in Frankreich reichte.

 

In den Folgejahren unternahm Attila  mehrere Beutezüge nach Russland und Persien. Danach konzentrierte er sich auf den Balkan, wo er auf zwei großen Raubzügen so viel Schrecken und Zerstörung hinterließ, dass er sich seinen Abzug bezahlen lassen konnte. Im Jahr 450 wendete er sich dem Weströmischen Reich zu und überschritt mit ungefähr 100.000 Soldaten nördlich von Mainz den Rhein. Auf einer 100 Meilen breiten Front vorrückend, plünderte er die meisten Städte des heutigen nördlichen Frankreichs. Der römische General Flavius Aetius stellt eine Armee aus Galliern und Römern auf und führte sie gegen Atilla, der die Stadt Orléans belagerte. Aetius war zwischenzeitlich mit den Franken, Burgunden und Westgoten verbündet.  Attila dagegen mit  ostgotischen, gepidische Verbündeten. In der berühmten Schlacht von Chalôns, Schlacht auf den Katalaunischen Feldern, wurde Atillas Armee zwar geschlagen, jedoch nicht zerstört.

 

Die Niederlage bei Chalôns gilt als eine der Entscheidungsschlachten der Geschichte, da sie den Zusammenbruch der christlichen Religion in Westeuropa und die Beherrschung dieses Gebiets durch asiatische Völker hätte bedeuten können.

 

Trotz oder gerade wegen seiner Niederlage,  drang Attila nach Italien vor, auf der Suche nach neuer Kriegsbeute. Bei seinem Eintreffen in Norditalien flohen die Bewohner auf die Inseln vor der Küste und gründeten laut der Überlieferung die Stadt Venedig. Wenn auch die römischen Streitkräfte stark dezimiert und immer noch in Gallien stationiert waren, hatten auch die Hunnen starke Verluste erlitten und waren erschöpft durch ständige Feldzüge, Krankheiten und die Hungersnot in Italien. Bei einer angeblich folgenschweren Zusammenkunft konnte Papst Leo I. Attila überreden sich zurückzuziehen. Dies ist historisch nicht ganz klar, jedoch war Attila dem Grunde nach seit seinem Rückzug aus Gallien keine ernsthafte Bedrohung mehr.

 

Seiner dynamischen Kraft beraubt löste sich das Hunnenreich nach Attilas Tod (Er heiratete die Gotin Hildico und starb in der Hochzeitsnacht, angeblich an einem Blutsturz) im Jahr 453 auf. Die Vasallenvölker rebellierten und kämpften untereinander um die Vorherrschaft. Schließlich wurden sie selbst von einer neuen Welle von Invasoren verdrängt (bzw gingen in anderen Völkern auf) und verschwanden aus der Geschichte.

 

 

Roland Richtstein