Aufwändiges Bühnenbild wie ein Spielplatz. Aufwändige Stunts am Bungeeseil. Aufwändige Quälereien im Wasser.
Ja, „Woyzeck“ ist eine durch und durch aufwändige Inszenierung, für die Schauspieler sicherlich nicht immer ein Vergnügen, für den Zuschauer umso mehr.
Gisli Örn Gardarsson hat mit seiner isländischen „Company Vesturport“ aus Reykjavik eine moderne und absolut dem Zeitgeist entsprechende Umsetzung des sozialkritischen Fragments von Georg Büchner auf die Bühne gebracht.
Mal schillernd, mal düster führt er den von Anfang an beeindruckten Konsumenten (denn nichts anderes ist der Zuschauer hier) durch die Leiden des Franz Woyzeck, der seiner Freundin Marie alles Glück der Welt geben will, sich dafür erniedrigenden Experimenten unterwirft und die Liebste doch an einen reichen, ein komplettes Gegenteil seiner selbst verliert.
Diese tragische Geschichte geht leider etwas verloren in dieser pompösen, teilweise zum Musical tendierenden Version. Ja, man hat Mitleid mit Woyzeck, man hasst den abstoßenden Hauptmann, man ist wütend auf Marie; dennoch bleiben einem weniger diese zermürbenden Eindrücke im Gedächtnis (die bei Büchner ja zentral sind), als vielmehr der beeindruckende Beinahe-Sprung des charmanten Tambourmajors ins Publikum, das plötzliche Aufstehen der Statisten und Bodyguards jenes Charmeurs, oder der seltsame Sänger mit dem fast schon parodistischen Miniflügel, der in Elvis Manier ins Mikrofon säuselt: „Oh yeah!“
Wie bezeichnend es für uns doch ist, dass uns ein Entertainer-Theaterstück soviel besser gefällt als ein Stück, das den Sinn des Originals aufgreift, die Sprache beibehält und uns Verständnisschwierigkeiten bereitet.
Cornell Zender