
Jana Appel
Pop-Art
Von Primärfarben zur öffentlichen Kritik
Als ich das erste Mal von dieser Kunstrichtung hörte bzw. las, dachte ich unwillkürlich an Pop-Musik. Klar, von letzterem hat wohl jeder bereits etwas gehört, auch, wenn es nicht zu der eigenen favorisierten Musikrichtung gehört.
Tatsächlich gibt es gewisse Parallelen, auch, wenn diese natürlich nicht in allen
Bereichen des Spektrums gelten können.
So steht Pop-Musik für „Popular Music“, also beliebte, weit verbreitete Musik,
Unterhaltungsmusik, die kommerziell erfolgreich ist.
Ahnliche Schlagworte stehen ebenfalls in Verbindung zur Pop-Art.
Die Themen, um die Pop-Art-Künstler kreisen, sind uns wohl bekannt, handelt es sich doch meist um die Alltagskultur, Massenmedien, Motive aus der Welt des Konsums und der Werbung.
Themen also, die uns mal mehr, mal weniger bewusst berühren und die, wie die meisten Dinge auf dieser Welt, positive, als auch negative Aspekte vereinen.
So lassen sich ebenso die zwei Grundhaltungen, die diese Kunstrichtung beherrschen, nachvollziehen.
Zunächst stand die Begeisterung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs für den, in den 50er Jahren einsetzenden, rasanten Wirtschaftsaufschwung (Wirtschaftswunder), mit dem der Wohlstand einherging.
Dies ist der Zeitrahmen, in dem Pop-Art unabhängig voneinander in den USA und in England entstand.
Später entwickelte sich der Konsumgesellschaft gegenüber, die sich im Zuge des Wohlstandes formte, eine kritisierende Haltung, da sich im Laufe der Jahre auch die negativen Aspekte des umjubelten Wohlstandes in das Bewusstsein der Bürger drängten und den Schein der perfekten Wohlstandsgesellschaft zunichte machten. Pop-Art indessen stieg in den 60er Jahren zur herrschenden Ausdrucksform der Kunst auf.
Rassenunruhen, der Mord an John F. Kennedy und der steigende Drogenkonsum ab 1960 in den USA stehen hier beispielhaft für die oben erwähnten negativen Aspekte.
Pop-Art als solche ist leicht zu erkennen und unterscheidet sich in wesentlichen
Aspekten von anderen.
Auffällig sind zunächst die klaren Farben, die hauptsächlich aus den Primärfarben
bestehen sowie den unbunten Farben Schwarz und Weiß.
Als ich das erste Mal bewusst ein Pop-Art-Gemälde sah, stachen mir besonders die klaren, schwarzen Konturen ins Auge. Dieser Stil, wohl bekannt aus Comics, verdeutlicht die Klarheit, mit der diese Kunstrichtung so gut wie nie bricht. Die Gegenstände des Bildes sind deutlich erkennbar und stetig trivial dargestellt (von Pop-Art-Künstlern deshalb auch als „Antikunst" bezeichnet), das setzt jedoch kein Porträtieren der natürlichen Gegebenheiten voraus.
So verfremdet und verarbeitet Wolf Vostell in seinen „Trivialgrafiken“ banale Motive des Alltags.
Dadurch wird dem Betrachter die Illusion genommen, es handle sich um die reine Realität, schließlich ist und bleibt Pop-Art eine Kunstrichtung, bei der Realität und Kunst durch immer neue, eigene, abstrakte Mittel miteinander verschmelzen.
Neue Wege auszuloten, um Themen an eine interessierte Öffentlichkeit heranzutragen, die dabei ungewöhnlich neu sein sollten; auf derartige Präsentationen zielte die Künstlergruppe „Independent Group“ aus Großbritannien.
Richard Hamiltons Werk „just What 15 lt That Makes Today‘s Home So Different, So Appealing?“ von 1956 war das Motiv für „This is Tomorrow“ (die letzte gemeinsame Ausstellung der „Independent Group“).
Doch es fungierte bei weitaus mehr Werken als Motiv; beinahe jede der ersten Pop-Art Darstellungen hat einen Bezug zu eben diesem.
Richard Hamilton, dessen oben genanntes Werk als erstes Pop-Art-Werk gilt, gilt selbst als Begründer der Pop-Art-Bewegung in Großbritannien.
In den USA hingegen steht Richard Lindner als wichtiger Begründer. Besondere
Popularität erlangten die Flaggenbilder von Jaspar Johns sowie die Materialobjekte von Robert Rauschenberg und die Comic-Bilder von Roy Lichtenstein, um nur einige bekannte Pop-Art-Künstler aus den Vereinigten Staaten zu nennen.
An dieser Stelle soll nun auch der Platz für einige deutsche Vertreter der Pop-Art sein, darunter fallen beispielsweise Werner Berges, Gernot Bubenik, Willy Wolff und Fritz Köthe.
Pop-Art entwickelt sich immer weiter und die Künstler finden immer neue, spektakuläre Wege ihre Themen und Meinungen, darunter unverzichtbar auch Kritik, mehr oder weniger in der Offentlichkeit zu vertreten.
Bis heute ist dieser Prozess der Wandlung und des „Neufindens“ nicht abgeschlossen, so entwickelte sich erst im 21. Jahrhundert eine fortreichende Form: die plakative Darstellung und Um- bzw. Neugestaltung von Slogans und Worten.
Den Fachterminus für eine Wortneuschöpfung ist uns aus dem Deutschunterricht bekannt:
Neologismus. Diese neue Form der Pop-Art, Worte um- bzw. neu zu gestalten, kann folglich ebenso als „expressiver Neologismus“ bezeichnet werden.
Für mich persönlich ist die Pop-Art eine herrlich simple, doch tiefe Kunst, die einem sofort ins Auge sticht, ganz gleich, ob sie persönlich gefällt oder nicht. Die bestimmende Klarheit und die „unstrukturierte Ordnung“ macht sie interessant, ohne kitschig oder überladen zu wirken, gleichzeitig hat sie nie den Hang zu Eintönigkeit, selbst und gerade bei Motiven des Alltags.
Die (meist nur unterschwellige) Kritik gibt den Werken eine Tiefe, die ohne selbst nachzudenken „auch mal über den Tellerrand hinaus“, kaum völlig zu begreifen ist. Im Weiteren bin ich gespannt, welche Formen die Pop-Art noch annehmen wird und welche mehr oder minder ungewöhnlichen Wege dabei die Künstler entdecken werden. Die Palette der (Un-)Möglichkeiten ist wohl noch lange nicht vollends ausgeschöpft.